Was ist ein Trauma?

Trauma ist aus dem Griechischen und bedeutet Wunde.

Der Fachausdruck für Trauma lautet: Post traumatische Belastungsstörung: es geht um ein Ereignis in der Vergangenheit, dass unter Triggern in der Gegenwart wirkt.

Das Thema Trauma ist erst ein großes Thema seit dem 1. Weltkrieg geworden. Die damalige Krankenkasse wollte den Kriegszitteren nichts ausbezahlen.

Aber letztendlich war es die Kriegsführung, die das Thema aufgriff mit der Fragestellung, wie können wir unsere Jungs für den Krieg belastbarer machen. Sie forschten und fanden heraus, dass Menschen die stabil in einer sozialen Beziehung gebettet sind, deutlich weniger traumaanfällig sind als andere.

Glaube oder Sinn machen einen Menschen auch trauma resistenter. Im Vietnamkrieg gab es eine große Sinnkrise bzgl. Der Notwendigkeit dieses Krieges. Die Soldaten wiesen nach diesen Informationen reihenweise Trauma-Symptome auf. Oder im 2. Weltkrieg haben Juden mit einem starken Glauben, das Konzentrationslager viel besser überlebt.

Aber hier sind wir schon beim nächsten Thema: wie groß muss die Wunde sein, damit sie ein Trauma ist?

Es ist ein Irrglaube, dass nur große Ereignisse zu einem Trauma führen. Nein, auch wenn ein Übergriff ohne Berührung stattfindet nur mit den Augen, kann es ein Trauma auslösen.

Jede Form von unvorhersehbarem Abbruch, Ende: Beziehungsende, Elternverlust, Tod.

Körperliche Verletzungen: Unfälle, Operationen, Gewalt

Eine Frau berichtete, wie es sie aus der Bahn warf, als ihr Onkel ihr beim Pipi machen zusah. Sie empfand es als entwürdigend. Dieses Erlebnis hat sie jahrelang unbewusst belastet, bis das Bild also die Erinnerung wieder in ihr aufstieg.

Die gleiche Situation kann für den einen völlig harmlos sein und für den anderen eine sehr große Pein/Entwürdigung/Verletzung bedeuten.

Genau das macht es so schwierig, es zu diagnostizieren. Es ist sehr individuell, ob und wie stark jemand traumatisiert ist. Das hängt immer von seiner Resilienz, von seiner Basis ab und auch die ist sehr einzigartig. Die Diagnose bedarf Zeit, um die Symptome sicher wahrzunehmen. Die Ursache allein löst nicht bei jemanden ein Trauma aus.

Was mir wichtig ist hier zu vermitteln: Trauma ist nichts Erschreckendes oder Schreckliches. Es war damals für denjenigen schrecklich, der es erlebt. Die gute Nachricht ist: es ist vorbei. Wir können entscheiden, ob wir uns damit konstruktiv heilsam beschäftigen oder ob wir es weiter ignorieren. Sicher, es bedarf Mut dieses Thema in Angriff zu nehmen. Alles was ich erlebt habe, war kein Spaziergang, aber das erlösende Gefühl danach ist sehr befreiend. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch das Ignorieren der Thematik nebulöse Symptome oder Verhaltensweisen entwickeln, die uns enorm in unserer Lebensqualität einschränken können, waren es mir persönlich nicht wert. Doch jeder hat seine Gründe, die ich vollkommen respektiere.